Nils Frahm im Funkhaus Berlin
Hagelsturm trifft Klangteppich
Der Pianist Nils Frahm begeistert mit seinem Mix aus klassischer und zeitgenössischer Klaviermusik.
Foto: Universal
Von Lars Dittmer
8.4.2010 0:00 Uhr
Ein Klangteppich aus Gitarrengeschrammel und Keyboardsounds durchzieht die Konzerthalle des Berliner Astra-Clubs.
Wenn nicht gerade ein Video läuft, wird zur opulenten Lightshow mit kunstvollen Lichtornamenten - man darf das auch getrost Kitsch nennen - ein warmer, weicher Klangteppich gereicht, in den man sich einrollen und einschlafen möchte.
Say kombiniert pulsierende Streichertupfer - inklusive einer pochenden Harfe - mit rabiaten Klavierdissonanzen, oft liegen dröhnende Drohungen über einem recht simpel gewobenen Klangteppich.
Unnatürliche Sprechrhythmen und Satzmelodien legen nahe, dass die Worte nur eine unzulängliche Hülle sind, während die Partitur feinste Nuancen und Regungen der Innen- und Außenwelt erfasst und in einer ungekannten Plastizität zu einem lebendigen, instrumentalen Klangteppich verarbeitet.
Auf seinem Debütalbum "2:33" baut Dittberner diese anspruchslose Weltsicht auf einem Klangteppich von Gitarren und poppig arrangierten Streichern weiter aus: Hin zu einem noch allgemeineren Abfinden mit den Gegebenheiten.
Es muss genügend Herzblut dabei sein - wie bei Simon Rattle
Die nur noch fünf Streicher kämpfen gegen die klangliche Übermacht aus Bläsern und Schlagzeug, das klingt oft scharf, spitz, wie unter Strom, lässt aber auch unerhört reizvolle Tonfarben zu, wie es im Klangteppich der Originalbesetzung nicht möglich wäre.
Elektronische Collagen, die auf dem Album von Eno mit leisen Stimmen und Wortfetzen durchsetzt sind, die diffus durch den Klangteppich wabern und eine geisterhafte Stimmung erzeugen - magisch und meditativ zugleich.