Die Showform mit Gesangs- und Musikeinlagen entstand im 19. Jahrhundert aus Zirkus und Theater. Das Varieté wurde in den 1920er Jahren in Frankreich und Deutschland besonders populär. Hochburgen des Genres waren Berlin (mit den Varietéhäusern "Scala" und "Wintergarten"), Hamburg und Paris ("Moulin Rouge", "Lido", "Olympia"). Eine zentrale Rolle im Varieté spielt der erotische TanzCancan, der bis heute Markenzeichen der PariserVarietés ist.
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Derb, frivol und hochsakral
"Les Biches" und "Stabat mater" von Francis Poulenc
Von Ludwig Rink
Francis Poulenc konnte mit unbekümmerter Freude schlüpfrige Texte für Pariser Varietés vertonen und gleichzeitig mit gläubiger Inbrunst Messen und Motetten zu Ehren Gottes verfassen.
In Berlin z. B. hatten sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei solcher Zentren herausgebildet: Vor dem Ersten Weltkrieg entstand eins rund um den Bahnhof Friedrichstraße, wo sich mit den renommierten Hotels Adlon und Kaiserhof und dem Varieté Wintergarten auch in den 1920er Jahren noch wichtige Stätten von Tanzmusik und populärer Kultur befanden.
Zunächst spielte er im Marine-Musikkorps auf Sylt, während der Gefangenschaft in Dänemark gründete er dann seine erste Bigband, die in das Varieté „PIK ASS” integriert war.
Nach ersten Positionen als Kapellmeister verschlägt es ihn 1906 nach Berlin, wo er mit Operetteneinaktern und Couplets für Theater und Varietés schnell bekannt wird.
Es war nur eine Frage der Zeit, daß der junge Mann, der sich als Knabe schon als Musikal-Clown und als Schlangenmensch produziert hatte, ganz in das Scheinwerferlicht des Zirkus und des Varietés sprang.
Neben Baron Jean und L. Lang, der noch um 1900 als Mitglied des Dornbacher Quartetts begegnet, spezialisierten sich etliche weitere Interpreten größtenteils aus Liebhaberei auf das Kunstpfeifen und traten bei den vielen Veranstaltungen der Volkskünstler, wie z. B. bei Künstlerjubiläen, Benefizkonzerten, Volkssänger-Soireen, Spezialitäten-Abenden, sowie in Heurigenlokalen und in Varieté-Etablissements auf.
Die Leichtigkeit des Varietés trifft auf die Stummfilm-Ära
So arbeitet auch Anna Skryleva Ende Januar mit ihrem Magdeburger Orchester besonders an den Nuancen im farbenreichen Sound der Grete Minde.