Wie üblich, beginnt der Ball mit Ritualen: Nach der offiziellen Eröffnung durch den österreichischen Bundespräsidenten zeigen die Debütantinnen und Debütanten ihren WienerWalzer.
Über die Urheberschaft für den eigentlichen WienerWalzer streiten sich französische und deutsche Musikhistoriker, wobei nationalistische Gefühle eng mit entsprechenden Theorien verbunden sind.
Es ist so berühmt, weil die da präsentierte, gefühlt unendliche Folge von WienerWalzern, vorzüglich komponiert von Vertretern der Strauß-Familie, aus dem legendären Wiener Musikvereinssaal per TV in mehr als 90 Länder übertragen wird.
Konzert zum Nachhören | Beitrag vom 05.06.2016
Wartburgkonzert mit Luiza Borac
Wiener Weltwalzer
Aufzeichnung aus Eisenach
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Der Inbegriff des gesitteten Gesellschaftstanzes - die Pianistin Luiza Borac und der Rezitator Frank Arnold holen den WienerWalzer in den Palas der Wartburg und machen sich auf eine Reise zu einem Phänomen.
Seinen Ursprung hatte er zum einen in den Worksongs, Spirituals und Gospels der afroamerikanischen Sklavenarbeiter in den Südstaaten der USA, zum anderen in den verschiedenen Volksmusiken der europäischen Einwanderer, darunter dem Irish Folk, der kreolischen Tanzmusik, dem WienerWalzer und der Marschmusik.
Mahlers Vierte Symphonie hörte man in der Bearbeitung für Kammerensemble von Erwin Stein, im selben Programm gab es dazu WienerWalzer, die von Schönberg, Berg oder Webern angeraut, geerdet oder weiter gesponnen wurden.
Denn der "Dance of Wild Irravel" aus den vier Orchesterstücken von Arnold Bax erklang erstmals 1913, also sieben Jahre bevor Ravel seinen orchestralen Abgesang auf die Wiener-Walzer-Seligkeit der Öffentlichkeit präsentierte.
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Eine prägende Zeit, die auch in der Musik des Komponisten ihre Spuren hinterlässt, wie in dem eben zu hörenden Walzer in f-Moll in Form eines WienerWalzers.
Die dunklen Stimmen
Auch seine Poesie speiste sich aus den großen und dunklen Stimmen der europäischen Literatur - den kleinen WienerWalzer aus García Lorcas großem Poem "Dichter in New York" übersetzte er sich in ein Requiem auf den Tod selbst: "In Wien gibt es zehn schöne Frauen, es gibt eine Schulter, an welcher der Tod zu weinen beginnt, eine Festhalle mit neunhundert Fenstern, diesen Baum, in den die Tauben zum Sterben kommen."