Immer stand das Buch bei mir im Regal: „Sturmhöhe“, von Emily Brontё. Englischer Originaltitel „Wuthering Heights“, Übersetzung von Grete Rambach. Ein Taschenbuch, Fischer Bücherei Exempla classica. Die Bibliothek der hundert Bücher Band 56, erschienen 1962.
Wie war es in meine Hand gekommen? Hatte jemand mir den Tipp gegeben, hatte ich es beim Blättern in meinem Literaturlexikon gefunden? Jedenfalls besaß ich das Buch seit Schülertagen. Ob ich es gelesen habe, kann ich nicht sagen, ich vermute, eher nicht, habe es vielleicht bei der Lektüre des Nachworts bewenden lassen. Indes, wovon es handelte, von einer wilden, alles zerstörenden Liebe nämlich, und in der kargen Heide- und Moorlandschaft des nördlichen England zur Zeit der Königin Viktoria spielt, habe ich immer gewusst.
Wann hörte ich den Song „Wuthering Heights“ von Kate Bush zum ersten Mal? Wahrscheinlich schon bald nach seiner Veröffentlichung 1978. Das Lied tat es mir an. Diese sagenhafte Stimme! Noch nie hatte ich jemand so hoch singen hören. Ich schenkte meiner Freundin eine Langspielplatte, auf der das Lied drauf war. Ich denke, sie hat sie noch, ich meinerseits habe auf alle Fälle eine Aufnahme von dieser LP auf Kassette, die ich auf meinen Fahrten nach München oder auf Reisen immer mal in den Recorder einlegte. Vom Text bekam ich wenig mehr mit als die Namen Cathy und Heathcliff und die wiederholte Aufforderung, das Fenster aufzumachen.
Es kam die Zeit des Internets, hier des Portals (oder Plattform, oder wie man das nennt) Youtube, wo man sich so schön verirren kann. Man sucht irgendwas und bekommt rauf und runter neue Angebote. So geriet ich irgendwann an Videos, in denen Kate Bush ihr Lied „Wuthering Heights“ mit Tanzeinlagen begleitete, fand eine Interpretation durch das Ukulele Orchestra of Great Britain, Leute, die auf ihren winzigen Instrumenten Erstaunliches vollbringen können, und schließlich eine Parodie der Komikertruppe Monty Python, die „Catherine“ und „Heathcliff“, die Helden der Geschichte, ihren Dialog auf große Entfernung mit Hilfe von Signalflaggen durchführen lassen (der Text wird in Untertiteln geliefert). Da lag es nahe, auch das Angebot an Trailern von Verfilmungen des Romans, angefangen mit der von 1939 mit Merle Oberon und Laurence Olivier, zu studieren. Wann genau ich diese Funde machte, kann ich nicht sagen, es ist zehn oder mehr Jahre her.
Ganz kürzlich aber kam ich wieder auf das Thema. Ich entdeckte nämlich auf Youtube den Trailer zu einer neuen Verfilmung, von 2026. Gleich darunter einen Verweis auf eine Doku bei Arte, „‘Sturmhöhe‘ - Liebe, Hass und Rache“. Darin ist die sonderbare Geschichte der vier Geschwister Brontё, drei Mädchen, ein Junge, geschildert: Wie sie im elterlichen Pfarrhause in einem Dorf am Rand der Hochmoore von Yorkshire aufwuchsen und eine fieberhafte literarische Produktion entwickelten, eine von ihnen, eben Emily, es gar zu Weltruhm brachte. Wie sie Fantasiewelten entwarfen und was ihnen an Weltkenntnis fehlte, aus Büchern bezogen. In Interviews geben verschiedene Wissenschaftler und Biografen, darunter auch eine Frau, die eine graphic novel zu diesem Thema gestaltet hat, Einblick in die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte von Emily Brontёs Roman. Da sie wie auch ihre Schwestern ihr Buch unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht hatte, habe die Kritik erst begeistert auf das Werk reagiert, sich aber, als nach Emilys frühem Tod im Jahr 1848 der wahre Name der Verfasserin bekannt wurde, von ihr abgewendet. Der eigentliche Durchbruch sei erst durch den Hollywoodfilm von 1939 erfolgt. Den hätten Millionen gesehen und auf alle Zeit hätte er die Vorstellung von „Wuthering Heights“ geprägt, dabei sei aber übersehen worden, dass eigentlich nur die erste Hälfte des Buches mit der Saga von Liebe und Tod verfilmt worden sei und die zweite mit der endlosen Rache des Heathcliff beinah gar nicht vorkomme.
Wichtig für die Rezeptionsgeschichte ist den Autoren der Dokumentation auch die Interpretation durch Kate Bush. Deren Hit von 1978 ist von einer bestimmten Szene inspiriert, nämlich dem Schreckenserlebnis des Pächters in Catherines früherem Zimmer, wo der Geist der vor 20 Jahren Verstorbenen am Fenster erscheint. Es lässt sich sogar angeben, wie sie mit dem Stoff bekannt wurde. In ihrer Biografie bei Wikipedia heißt es, sie habe als Kind die BBC-Serie von 1967 gesehen, in der ihr die letzten Minuten einen Rieseneindruck gemacht hätten, später habe sie das Buch gelesen und als Achtzehnjährige in einer Nacht Text und Musik des Songs „Wuthering Heights“ konzipiert.
Die Serie, schwarzweiß, kann man inzwischen auf Youtube in voller Länge und dankenswertweise auch ohne Werbeunterbrechungen sehen. Ein sonderbares Werk, wohl eine der wenigen Adaptionen, die dem Roman konsequent bis zum Ende folgen. Am Schluss kommt die Szene, die in anderen Verfilmungen, so auch in der von 1939, am Anfang steht, die mit dem Mann, der durchs Schneegestöber auf das einsame Landhaus zustrebt, wo er erst dem mürrischen Heathcliff und dann, ins falsche Zimmer gewiesen, dem Geist von dessen verstorbener Geliebten begegnet - während draußen unablässig der Sturm heult und Schneeschauer das alte Haus einhüllen. (Überhaupt stürmt es in der Serie von Anfang bis Ende, zweieinhalb Stunden lang, besonders deutlich zu hören, da auf Musik verzichtet wird). Das Fenster kommt immer wieder ins Bild, das Fenster, das sich für Cathy öffnen soll, zuletzt als der Ort, wo Heathcliff Selbstmord begeht, indem er sich an den zerbrochenen Glasscheiben die Pulsadern aufschneidet.
Google hat den Text des Liedes in voller Länge, und ich kann ihn mir nun übersetzen: Catherine spricht, sie erzählt von heißer und gieriger Leidenschaft draußen im Gras der Hochmoore, von unerfülltem Besitzdrang. Sie klagt über Kälte und Einsamkeit und verlangt immer wieder: Mach das Fenster auf und lass mich rein zu dir, ich will deine Seele.
Kate Bushs Song, so eine der Interviewpartnerinnen in der Arte-Dokumentation, machte Emily Brontё zur Pop-Ikone, wenigstens im englischen Sprachraum, wo man mit dem Text etwas anfangen konnte. Die gruselige Vorstellung einer Frau aus dem Totenreich, die in einer Sturmnacht ihren Geliebten holen will, ist dann vermutlich das, was den meisten Hörern aus dem Lied haften geblieben ist - und das, was Kate Bush zu ihrem Song inspirierte.
Einmal auf Youtube unterwegs, fand ich dann auch, dass es eine Bewegung namens „The Most Wuthering Heights Day Ever“ gibt. Da versammeln sich jährlich Mitte Juli Fans von Kate Bush, zumeist Frauen, auf einer grünen Wiese, gekleidet in rote Flattergewänder mit schwarzen Gürteln und einer Blume im Haar, wie sie Kate Bush auf dem Video „Wuthering Heights Official Music Version 2“ trägt. Eine Lautsprecheranlage überträgt den Song, und die Fans imitieren den Tanz, den ihr Idol seinerzeit auf einer Wiese in der Ebene von Salisbury aufgeführt hat. Wahrscheinlich haben sie zu Hause vor dem Monitor geübt, bis sie die Choreografie draufhatten. Es sind Hunderte, die sich da versammeln, und wie man einem Artikel bei Wikipedia entnehmen kann, gibt es inzwischen überall in der westlichen Welt, von Australien bis in die USA, solche Veranstaltungen, auch in Deutschland, 2025 in Berlin, Köln, München und Rostock. Nur in Hamburg noch nicht. Zurück geht die Veranstaltung auf ein Fest im Seebad Brighton im Jahr 2013, wo ein inoffizieller Weltrekord aufgestellt werden sollte: „The most people dressed as Kate Bush“. In England liebt man solche Wettbewerbe, in Nottingham zum Beispiel wurde 2018 ein Weltrekord „So viele Leute wie möglich im Kostüm von Robin Hood“ aufgestellt: Sage und schreibe 1.215 Fans kamen im grünen Wams mit Kapuze, Pfeil und Bogen. Das schaffen sie für den „Most Wuthering Heights Day“ sicher auch noch.
Da wurde es zum Abschluss dann Zeit, bei Youtube zu Ehren von Kate Bush und Emily Brontё noch einmal das Lied von dem toten Mädchen aufzurufen, das am Fenster des Geliebten erscheint und Einlass begehrt, diesmal aber nicht von der genialen Sängerin und Komponistin dargeboten, sondern vom Ukulele Orchestra of Great Britain. Die Version höre ich zu gern.
Der Kontrast könnte größer nicht sein. Keine grazile Frau mit hohem Sopran singt, sondern ein massiger Mann mit einem sonoren Bariton. In einer Reihe sitzt er mit seinen sechs Mitspielern, davon einer mit Gitarre (die den Bass ersetzt), die anderen, unter ihnen auch zwei Frauen, mit ihren Zwergeninstrumenten, auf denen sie aber die schwungvollsten Begleitrhythmen produzieren. Es ist eine Konzertaufnahme, das Publikum singt an bestimmten Stellen mit, und zwar immer dann, wenn es im Refrain an die Zeile kommt: „Heathcliff, it’s me, I’m Cathy!“ Dann macht der Sänger eine Pause nach „Heathcliff“ und gibt mit gestreckten Fingern dem Publikum sozusagen den Einsatz, und das wiederholt vielstimmig: „Heathcliff!“, was von den Interpreten mit beifälligem Lächeln aufgenommen wird und dem Auditorium natürlich von Mal zu Mal mehr Vergnügen macht.
„Mixed Generations“ – eine prägende Reihe zur Förderung des Jazz-Nachwuchs Seit 2014 betreibt die Jazz Federation (JFH) das Nachwuchs-Förderprojekt „Mixed Generations“: Ein bereits profilierter Nachwuchsmusiker sucht sich einen (inter-)national renommierten Mentor aus, übt und musiziert mit ihm – eine für den Jazz typische Zusammenarbeit zwischen den Generationen entsteht – daher „Mixed Generations“.
Ziele dieser Reihe sind:
• Förderung eines begabten Absolventen der HfMT mit einem breiten musikalischen Spektrum
• Förderung des internationalen Austausches in der Jazzmusik
• Förderung des Clubbetriebs an den jeweiligen Spielstätten der Jazz Federation
To Shiver the Sky "Die Menschen sind töricht,
Sie können nicht fliegen"
Diese Worte aus dem Lied "Die Vögel" von Franz Schubert laden nach wie vor zum Nachdenken ein: Das Urteil darüber, ob die Menschheit seit dem Jahr 1820 klüger geworden ist, sollte vielleicht kommenden Generationen überlassen werden. Dass aber Menschen fliegen können, ist heute unstrittig. Mit ihren geistigen und metallenen Flügeln können sie sogar höhere Sphären erkunden als das gefiederte Volk. Im Oratorium "To Shiver the Sky" ("Den Himmel beben lassen") hat Christopher Tin das multiperspektivische Verhältnis von Mensch, Himmel und Weltraum beleuchtet und kommentiert.
Amame: Mari Boine & Bugge Wesseltoft Eigentlich war alles ganz anders geplant: Anfang 2020 lebte die samische Künstlerin Mari Boine in Tromsø im Norden Norwegens und bereitete mit dem Produzenten Svein Schultz ein neues Album vor. Doch die Corona-Pandemie traf das Projekt hart - ein Treffen im Studio war auf unabsehbare Zeit nicht möglich. So ergriff Svein Schultz die Chance, einen Job als Schulleiter an der Kulturschule in Hamarøy anzunehmen. Mari Boine blieb allein und hörte Klaviermusik. Es dauerte nicht lange, bis sie Kontakt zu Bugge Wesseltoft aufnahm, der 2002 ihr Album „Gávcci Jahkejuogu – Eight Seasons“ produziert hatte.
Irish Melodies (Thomas Moore) "The Last Rose of Summer" ist das bekannteste Lied aus den bis heute in England und Irland populären "Irish Melodies", die Thomas Moore erstmals 1808 veöffentlichte. Die von irischen Folksongs inspirierten Kunstlieder sind in den Jahren 1807 bis 1834 entstanden. In den ursprünglichen 10 Bänden sind jeweils 10 bis 16 der insgesamt 124 Lieder enthalten. Zuweilen wurden anderweitige Sammeltitel wie z.B. "Moore’s Irish Melodies" oder "Moore’s Illustrated Melodies" verwendet.
In meinem wilden Herzen - Rilke Projekt Unter dem Sammeltitel „Rilke Projekt“ werden Texte von Rainer Maria Rilke interpretiert. Hierbei finden Rezitation, Gesang und Instrumentalmusik gleichermaßen Beachtung. Begründet wurde das Projekt vom Komponisten- und Produzentenduo Schönherz & Fleer. Das erste Rilke Projekt-Album trägt den Titel „Bis an alle Sterne“ und ist 2001 erschienen. Es folgten „In meinem wilden Herzen“ (2002), „Überfließende Himmel“ (2004), „Weltenweiter Wandrer“ (2012), „Wunderweiße Nächte“ (2018) und „das ist die SEHNSUCHT“ (2022).
Generation Cancellation: „Ich habe keine Wahl. Geh oder stirb.“ Vor zwei Jahren war Little Big noch die Band, die Russland zum ESC in Rotterdam schicken wollte. Als Putins Truppen die Ukraine überfielen, posteten die Musiker eine schwarze Kachel "No war!" auf ihrem Instagram-Kanal - es musste auf Druck der staatlichen Stellen entfernt werden. Im Juni hat Little Big die Konsequenzen gezogen: Sie verließen das Land, dessen Regime lügt, zerstört, drangsaliert und eine ganze Generation canceln will.
I’m The Putin-Man Wer Randy Newman 2017 im Song "Putin" gut zugehört hat, konnte ahnen, wohin das Ego des Kreml-Herrschers führen wird. Randy Newman erhielt einen Grammy für "Putin" und Greil Marcus sah Kurt Weill und Bertolt Brecht "vor Freude in ihren Gräbern tanzen". Newmans Warnung vor dem notorischen Lügner, Kriegsverbrecher und Diktator blieb folgenlos - nun steht die Welt hilflos vor dem Geschehen in der Ukraine.
BONE MUSIC ... und was riskierst du für deine Musik? Nach dem Ende des 2. Weltkriegs bis Mitte der 1960er Jahre blühte in der Sowjetunion ein besonderer Schwarzmarkt: Zensierte Musik, von Bill Haleys "Rock around the Clock" bis zu russischen Gangsterliedern, wurde auf ausrangierte Röntgenaufnahmen kopiert. Der britische Musiker Stephen Coates stieß 2016 auf einem Berliner Flohmarkt auf Bone Music-Aufnahmen.
What a Wonderful World Er war der größte Star des Jazz, seine gute Laune ansteckend und sein Trompetenspiel und Gesang unverkennbar: Vor 50 Jahren starb Louis Armstrong, der erste schwarze Musiker, der es zu Weltruhm gebracht hatte. Seine Fassungen von Hello Dolly, Blueberry Hill, When the Saints Go Marchin’ In, Dream a Little Dream of Me und dem St. Louis Blues gehören zum kollektiven Gedächtnis.
Bella Ciao - Partisanenlied als offizielle Hymne? In Italien wird aktuell heftig über ein Lied gestritten: Parlamentarier linker Parteien und der Cinque Stelle haben vorgeschlagen, "Bella Ciao" zur offiziellen Hymne des 25. Aprils zu machen, des Gedenktags für die Befreiung von Faschismus und deutscher Besatzung. Das Partisanenlied stehe für die "höchsten Werte der Republik" und solle künftig bei offiziellen Anlässen gleich nach der Nationalhymne erklingen.
13.6.2013 BTS veröffentlichen ihr Debütalbum "No More Dreams".
Heute vor einem Jahr: 13.6.2025 Im Kölner E-Werk wird der Deutsche Jazzpreis2025 verliehen. Eva Klesse wird als nationale "Künstlerin des Jahres", Marshall Allen als "Künstler des Jahres international" ausgezeichnet, Ein Preis für ihr Lebenswerk ging an Uschi Brüning.